Tee nach englischer Art: die Britische Teekultur

Tee nach englischer Art: die Britische Teekultur

Tee ist das Nationalgetränk der Briten. Obschon der Pro-Kopf-Verbrauch nur bei 3,5 Kilogramm jährlich liegt (Tabellenführer sind die Ostfriesen mit 4,6 Kilogramm), sind es die britischen Teetrinker, die die westeuropäische Teekultur bis heute entscheidend geprägt haben. Dabei etablierte sich der Teegenuss in breiten Bevölkerungsschichten Großbritanniens erst im späten 18. Jahrhundert. Heute ist der Five-o-Clock-Tea geradezu sprichwörtlich.

Ceep calm and drink a cup of tea

Seit Mitte des 17. Jahrhunderts wird Tee nach England importiert. Der hohe Preis beschränkte den Genuss zunächst auf die Oberschicht, in der ihn zwei Königinnen, Katharina von Braganza und Queen Anne, populär machten: Statt des bis dahin üblichen Warmbiers bevorzugten sie eine Tasse Tee am Morgen. Der Early morning tea, den man auch heute noch gern im Bett einnimmt, geht nicht zuletzt auf sie zurück.

Mit seiner legendären East India Company avancierte Großbritannien im 18. Jahrhundert zum unbestrittenen Zentrum des europäischen Teehandels. Später wurde in den englischen Kolonien selbst Tee angebaut.

In Großbritannien gehört die cup of tea einfach dazu: Zu allen denkbaren Gelegenheiten wird Tee gereicht. Dabei dominiert beileibe nicht das feine Porzellan. Häufig und gern werden robuste Teetassen genutzt.

Auch im Geschmack dominieren vor allem kräftige schwarze Teesorten, die meist aus China, Ceylon, Assam oder Indonesien stammen. Aromatisierte Teesorten werden weniger geschätzt. Der mit Bergamotte verfeinerte „Earl Grey Tee“ bildet eine Ausnahme.

Die feine englische Art

Vielleicht liegt es am weltbekannten schlechten Wetter, dass die Engländer und der Tee so zusammen gefunden haben. Neben dem sogenannten Builder’s tea, einem starken Beuteltee mit viel Milch und Zucker, der während der Arbeitspausen getrunken wird, gibt es mehrere Sorten von Nachmittagstees, die sich in Bedeutung und Ausstattung unterscheiden:

  • Der Light tea ist ein einfacher Nachmittagstee mit schlichten Scones, die gebrochen und nicht geschnitten werden.
  • Der Cream tea lässt sich als erweiterte Form des Light tea
    beschreiben: Ein zwangloser Nachmittagstee mit einfachen Scones sowie Clotted
    cream, eine Art besonderen Schlagrahms, und Konfitüre.
  • Den bekannten Five-o-Clock-tea, der auch als Afternoon oder low tea
    bezeichnet wird, serviert man zwischen 3 und 5 pm an einem Tee-, ausdrücklich
    nicht am Esstisch. Das Angebot des Cream teas wird um Kresse-, Schinken
    oder Lachssandwiches erweitert.
  • Der High tea, zwischen 5 und 7 pm eingenommen, ist eine Mischung aus
    afternoon tea und Abendessen und findet zu besonderen Anlässen mit Gästen
    am high table, dem Esstisch, statt. Kalter Braten, Gemüse, Kuchen und Früchte
    werden zum Tee gereicht.
  • Unter einem Reception tea verstehen die Briten ein formelles Ereignis. Es
    handelt sich um einen Stehempfang mit Tee und Sandwiches.
  • Ein Royal tea ist ein um Sherry oder Champagner erweiterter afternoon
    tea
    .

Tee ist ein Getränk, das in England sowohl beim zwanglos familiären Beisammensein als auch beim höchst formellen Empfang im Mittelpunkt steht.

With Milk, please.

Briten belassen die Teeblätter oft in der Kanne. Der Tee wird immer stärker, die Bitter- und Gerbstoffe entfalten sich. Etwas Milch (niemals Sahne!) mildert den Geschmack.

Seit Jahrhunderten ist die Nation daher in zwei Lager gespalten:
die Milk-in-first- und die Tea-in-first-Anhänger. Geschmacklich erschließt sich dem Nicht-Briten keinerlei Unterschied. Aus praktischen Gründen neigt man zur zweiten Variante, die eine einfachere Dosierung verspricht und der auch die Queen angehören soll. Das richtige Vorgehen wird weiterhin diskutiert.

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