Die Sage vom ersten Tee der Welt

Die Sage vom ersten Tee der Welt

Eine der vielen Legenden, die sich um den Tee und seine Geschichte ranken, besagt, dass der Tee vor rund 5000 Jahren “entdeckt” worden sei. Einst sollte der legendäre chinesische Yan-Kaiser Shénnóng oder Shen Nung – was so viel wie “der göttliche Bauer” bedeutet – den Tee erfunden haben. Ob sich die Geschichte um den legendären Yan-Kaiser wirklich so zugetragen hat, werden wir wohl nie erfahren, jedoch spricht einiges dafür, dass an der Legende über die Entstehung des Tees wohl etwas dran sein dürfte.

Kaiser Shennong / Depositphoto

Der legendäre Kaiser, der als Vater der chinesischen Landwirtschaft gilt, soll sein Volk gelehrt haben, wie man Getreide anbaut, um sich selbst zu ernähren. Ferner soll er unzählige Kräuter probiert und katalogisiert haben, um deren medizinischen Wert zu beurteilen und der Bevölkerung zugänglich zu machen. Während er hunderte von Heil- und Giftpflanzen im Selbstversuch ausprobierte, soll er – so die Legende – auf den Tee gestoßen sein, der als starkes Gegenmittel gegen die Vergiftung durch mehr als 70 verschiedenen Pflanzenarten eingesetzt werden könne.

Eines Tages, so erzählt man, sei Shen Nung bei einer seiner Zubereitungen einige Blätter von einem brennenden Teezweig (chá 茶) in einen Kessel voll kochendes Wasser gefallen. Der Kaiser bemerkte daraufhin einen angenehmen, köstlichen Duft, der aus dem Kessel mit heißem Wasser aufstieg. Angetan vom Aroma und seiner goldbraunen Färbung soll Shen Nung in der Folge herausgefunden haben, dass diese Teezubereitung ihn vor der Wirkung schädlicher Toxine zu schützen vermag. Außerdem – so sagt man – habe der Genuss von Tschai (Tee) ihm ein stattliches Alter von über 120 Jahren beschert.

Was sich um das Jahr 2737 v. Chr. ereignete, gilt allgemein hin als die Entstehungsgeschichte des Tees. Zwischen 500 und 800 nach Christus sollen buddhistische Mönche unter ihren weiten, gelben Gewändern den Tee über die Grenze nach Japan geschmuggelt haben. Jedoch brauchte es noch über 1000 Jahre, bis der Tee in Europa ankam.

Niederländische Seefahrer der Ostindien-Kompanie brachten den ersten grünen Tee mit einer Ladung im Jahre 1610 nach Amsterdam. Zwar war der Tee in jener Zeit wohl eher noch ein Getränk des Adels, aber der Siegeszug des Tees konnte nicht mehr gestoppt werden. Im 18. Jahrhundert wuchs die Nachfrage nach Tee in Europa stark und die Britische Ostindien-Kompanie erlangte eine klare Vormachtstellung im Teehandel. So machte der Tee um 1750 bereits ein Viertel der Gesamtexport der Britischen Ostindien-Kompanie aus.

Erst Mitte des 18. Jahrhunderts gelangte der erste Tee von den Niederlanden nach Deutschland; genauer gesagt nach Ostfriesland, wo sich in der Folge eine eigene Teekultur entwickelte. Tatsächlich entwickelte sich aus der Liebe zum Tee in Ostfriesland eine der ältesten Teekulturen in Europa – eine Tatsache, die auch von der UNESCO durch die Aufnahme als immaterielles Kulturerbe hervorgehoben wurde. Heute übertreffen die Ostfriesen in Sachen Teekonsum sogar die Briten! Um gut 100 Liter Tee pro Kopf und Jahr übersteigt der Teekonsum in Ostfriesland den Pro-Kopf-Verbrauch in England.

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